Wie findet immo-adresse.de die Adresse heraus?

Von Holger Schumacher · Zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2026 · Lesezeit: ca. 8 Minuten

Das Problem: Warum Immobilienportale Adressen verstecken

Wer auf ImmobilienScout24, Immowelt oder Kleinanzeigen nach einer Immobilie sucht, stößt schnell auf eine merkwürdige Hürde: Die genaue Adresse des angebotenen Objekts fehlt. Stattdessen sieht man nur den Stadtteil, eine grobe Kartenmarkierung – und einen Button mit der Aufschrift „Kontakt aufnehmen". Über eine Million aktive Inserate allein auf ImmobilienScout24 verstecken so systematisch die Information, die Interessenten am meisten benötigen.

Der Grund liegt im Geschäftsmodell: Makler schalten Inserate, um Leads zu generieren. Sobald die Adresse bekannt ist, könnten Käufer direkt beim Eigentümer anfragen, die Immobilie eigenständig besichtigen oder den Marktwert recherchieren – ohne den Makler als Mittler. Der Makler würde seinen Provisionsanspruch riskieren. Immobilienportale unterstützen dieses Prinzip aktiv, weil auch sie von Kontaktanfragen profitieren: Jede Anfrage über das Portal erzeugt messbare Aktivität, die den Wert des Portals für Makler demonstriert.

Für Kaufinteressenten entsteht so eine echte Informationsasymmetrie. Bevor man überhaupt weiß, ob ein Objekt die eigene Zeit wert ist – Lage, Lärmbelastung, Nachbarschaft, Infrastruktur – muss man bereits persönliche Daten abgeben und ein Gespräch mit dem Makler führen. Das kostet Zeit, erzeugt sozialen Druck und dient primär den Interessen des Vermittlers. immo-adresse.de dreht dieses Verhältnis um: zuerst Adresse, dann Entscheidung.

Die Lösung – Das Liegenschaftskataster (ALKIS)

Das Amtliche Liegenschaftskataster-Informationssystem, kurz ALKIS, ist das offizielle Kataster der deutschen Bundesländer. Es enthält die vollständige geometrische und beschreibende Erfassung aller Grundstücke (Flurstücke) in Deutschland – mit Lage, Fläche, Nutzungsart und verknüpfter Adresse.

Ein guter Vergleich: Das Handelsregister ist ein öffentliches, amtliches Verzeichnis aller Unternehmen. Jeder kann es einsehen, um Firmendaten zu prüfen. ALKIS ist das Pendant für Grundstücke: ein öffentliches, amtliches Verzeichnis aller Flurstücke. Die Daten sind von Vermessungsbehörden geprüft, georeferenziert und werden regelmäßig aktualisiert.

In Deutschland stellen die meisten Bundesländer ihre ALKIS-Daten als Open Government Data unter der Lizenz DL-DE/Zero 2.0 kostenlos zur Verfügung. Das bedeutet: Die Daten dürfen ohne Einschränkungen genutzt, weiterverarbeitet und veröffentlicht werden – vergleichbar mit einer Creative-Commons-Zero-Lizenz.

Flurstück vs. Adresse – was ist der Unterschied?

Ein Flurstück ist die kleinste vermessungstechnische Einheit im Kataster. Jedes Flurstück hat eine eindeutige Kennzeichnung aus Gemarkung, Flur und Flurstücksnummer. Eine Adresse (Straße + Hausnummer) ist eine davon getrennte Information, die einem oder mehreren Flurstücken zugeordnet ist.

Immobilieninserate enthalten fast immer zwei Angaben, die im ALKIS direkt mit einem Flurstück verknüpft sind: die Postleitzahl und die Grundstücksfläche in m². Da Flurstücke exakte Flächenwerte haben und eine PLZ einen geografisch begrenzten Bereich abdeckt, reicht die Kombination beider Werte meist aus, um ein Flurstück eindeutig zu identifizieren – und damit seine amtlich hinterlegte Adresse abzurufen.

Merksatz: PLZ + Grundstücksfläche = eindeutiger ALKIS-Treffer. Weil innerhalb einer Postleitzahl selten zwei Grundstücke exakt gleich groß sind, genügt diese Kombination für die Identifikation in etwa 85–90% aller Fälle.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. PLZ und Fläche aus dem Inserat ablesen Öffne das Inserat auf ImmobilienScout24, Kleinanzeigen oder einem anderen Portal. Notiere die angegebene Postleitzahl und die Grundstücksfläche in m². Bei Häusern steht diese oft unter „Grundstücksfläche", bei Grundstücken direkt als Hauptmerkmal. Bei Wohnungen wird stattdessen die Wohnfläche genutzt – mit etwas geringerer Treffsicherheit.
  2. Werte in immo-adresse.de eingeben Gib PLZ und Fläche in das Suchformular auf der Startseite ein. Optional kannst du eine Toleranz festlegen (z. B. ±5 m²), falls die Flächenangabe im Inserat gerundet wurde. Das Tool durchsucht nun die ALKIS-Daten aller Flurstücke innerhalb der angegebenen PLZ nach einem passenden Flächenwert.
  3. Treffer auf der Karte prüfen und Adresse erhalten Passende Flurstücke werden auf einer interaktiven Karte angezeigt. Du kannst das Flurstück visuell mit der Kartenmarkierung aus dem Inserat abgleichen. Nach Bestätigung wird die amtlich hinterlegte Adresse angezeigt – vollständig mit Straße, Hausnummer und Ort.

Legalität & Datenschutz: Darf ich das?

Ja. Die Nutzung von ALKIS-Daten zur Adressermittlung ist vollständig legal. Die Datenbasis unterliegt der Open-Data-Lizenz DL-DE/Zero 2.0, die jede Weiterverwendung – auch kommerzielle – ausdrücklich erlaubt. Die Daten sind amtlich, nicht personenbezogen im Sinne der DSGVO (sie beschreiben Grundstücke, nicht Personen), und wurden von den zuständigen Vermessungsbehörden für die öffentliche Nutzung bereitgestellt.

Grenzen bestehen dort, wo DSGVO-relevante Weiterverwendung ins Spiel kommt: Wer die ermittelte Adresse nutzt, um unaufgefordert Postwurfsendungen oder Kaltakquise zu betreiben, könnte je nach Einzelfall gegen das UWG oder die DSGVO verstoßen. immo-adresse.de stellt die Information bereit; die Verantwortung für die nachgelagerte Nutzung liegt beim Nutzer.

immo-adresse.de speichert keine Suchanfragen, erhebt keine personenbezogenen Daten und erstellt keine Profile. Die Anfragen laufen vollständig im Browser des Nutzers.

Grenzen des Tools

Das Tool funktioniert in den meisten Bundesländern sehr gut, hat aber bekannte Einschränkungen:

  • Bayern: Der Freistaat stellt ALKIS-Daten nur eingeschränkt als Open Data bereit. Trefferquoten sind in Bayern geringer als in NRW, Niedersachsen oder Hessen.
  • Wohnungen: Bei Eigentumswohnungen wird die Wohnfläche angegeben, nicht die Grundstücksfläche des Gesamtgebäudes. Da mehrere Wohnungen dasselbe Grundstück teilen, ist die Identifikation schwieriger und weniger eindeutig.
  • Sehr neue Flurstücke: Bei frisch geteilten oder neu angelegten Flurstücken kann es einen Verzug von einigen Wochen geben, bis die Daten im Open-Data-Bestand aktualisiert sind.
  • Gerundete Flächenangaben: Manche Makler runden im Inserat auf glatte Zahlen (z. B. „700 m²" statt „697 m²"). In diesen Fällen hilft die Toleranzfunktion des Tools.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich einen Account oder muss ich mich registrieren?
Nein. immo-adresse.de ist vollständig kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Es gibt keine Paywall, kein Abo und keine Pflicht zur Angabe einer E-Mail-Adresse.
Was ist, wenn mehrere Flurstücke denselben Flächenwert haben?
Das Tool zeigt dann alle Treffer an. In solchen Fällen hilft ein Abgleich mit der ungefähren Kartenlage aus dem Inserat – ImmobilienScout24 zeigt oft einen verschwommenen Pin, der bereits auf den richtigen Stadtteil oder die richtige Straße hindeutet.
Woher stammen die Daten genau?
Die Daten stammen aus den amtlichen ALKIS-Datensätzen der Vermessungs- und Katasterämter der Bundesländer, bereitgestellt über das GovData-Portal unter DL-DE/Zero 2.0. Die Daten werden quartalsweise aktualisiert.
Funktioniert das Tool auch für gewerbliche Immobilien?
Ja, sofern die Grundstücksfläche im Inserat angegeben ist. Bei Gewerbeimmobilien ist die Grundstücksfläche (nicht die Mietfläche) relevant. Viele Gewerbeangebote nennen diese nicht explizit – in solchen Fällen liefert das Tool keinen Treffer.
Kann ich das Tool auch für Inserate auf Kleinanzeigen oder Immowelt nutzen?
Ja. Das Tool ist portalunabhängig. Solange das Inserat PLZ und Grundstücksfläche enthält – egal ob auf IS24, Kleinanzeigen, Immowelt, eBay oder privaten Makler-Websites – funktioniert die Suche.
Wie aktuell sind die ALKIS-Daten?
Die meisten Bundesländer stellen die Daten quartalsweise oder sogar monatlich aktualisiert bereit. Bei sehr frischen Transaktionen oder neu gebildeten Flurstücken kann es einen Verzug von bis zu 12 Wochen geben. Für normale Kaufsituationen ist das unerheblich – das gesuchte Flurstück existiert in der Regel schon seit Jahren im Kataster.

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